Frühling, ja bitte!

Ist das nicht herrlich – Frühling in Mitteleuropa! In den Vorgärten blühen die Tulpen, die Forsythien leuchten gelb hinter anderen zartgrünen Sträuchern. Vorgestern telefonierte ich mit einem Freund aus dem Nordosten der USA, der mir berichtete, dass dort nun die letzten Schneeberge an den Straßenrändern tauen. Und plötzlich sagt er: „Du hast es gut, sitzt am offenen Fenster und genießt die Frühlingsluft.“ Woher er das wisse, fragte ich ihn. „Na, ich höre doch eine Amsel singen, da musst du doch das Fenster offen haben.“ Recht hatte er.

Gesund oder verschnieft?

Wäre das ein kleiner Film, würde man ihn mit fröhlicher, leicht-beschwingter Musik hinterlegen und viel blauen Himmel und die ersten Zierkirschenblüten zeigen. Doch dann: ein harter Schnitt. Die Musik wechselt zu Moll, durch die Straßen hetzende Menschen, alles im Zeitraffer und dann in Nahaufnahme schniefende Nasen, rot unterlaufene Augen und in aggressiver roter Schrift: Alarm! Allergie!! Welch ein Kontrast.

Heute gibt es kaum mehr Wetterberichte, in denen nicht auf die zur Zeit blühenden Gräser und Bäume hingewiesen wird, die alle Ursache für Allergien sein sollen. Die freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin Gerlinde Gukelberger-Felix schrieb kürzlich im Spiegel: „Vererbung, Lebensstil, Ernährung – das alles beeinflusst die Entstehung von Allergien und Asthma. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Psyche: Ängste und Stress können das Leiden verstärken.“

Allergien – den gedanklichen Hintergrund betrachten

Was Allergien auslöst bzw. begünstigt, ist ein weites Feld, das mehr und mehr erforscht wird. Als Gesundheitsfachmann, der insbesondere den Einfluss von Gedanken und innerer Haltung auf die Gesundheit erforscht, sehe ich zwei wesentliche Faktoren: eine erhöhte Sensibilität für Einflüsse aller Art. Und eine gewachsene Anfälligkeit, oder klarer, Furcht vor schädlichen Einflüssen.

Sensibilität ist ja, für sich genommen, nichts Schlechtes. Sie lässt einen im besten Fall Bedürfnisse erkennen, begegnet neuen Entwicklungen aufmerksam und kann Fehlentwicklungen vorbeugen. Das sind wünschenswerte Eigenschaften. Aber, sie haben eine Schattenseite: Da wird viel befürchtet, mit zunehmender Sorge betrachtet und man manövriert sich unter Umständen in eine Art der Hilflosigkeit gegenüber schädlichen Einflüssen. Nur mal zur Verdeutlichung: Ich kenne Mütter, die ihre Kinder jede halbe Stunde vom Spielplatz holen, um ihnen die Hände zu waschen, um einer Kontaminierung ihrer Kinder vorzubeugen. Auch im Wissen, dass heute mehr Schadstoffe, auch aggressive Schadstoffe häufiger als früher auftreten, erscheint mir eine solche Haltung eher von Furcht als von Weisheit geleitet.

Sensibel sein – aber furchtlos

Furcht an sich ist ein schlechter Ratgeber. Sei es bei Prüfungen, schwierigen Auseinandersetzungen oder bei langfristigen Planungen: Je weniger Furcht und je mehr ehrliche Bereitschaft, sich selbst und andere fair und erwartungsvoll zu betrachten, desto eher stellen sich gute Resultate ein. Sensibel – im richtigen Sinne – zu sein heißt die hilfreiche Bereitschaft oder den Wunsch nach guter Kooperation im anderen zu erkennen. So wird aus Sensibilität eine geistige Stärke, die wiederum eine immunisierende Wirkung hat. Immunität aus der Stärke, voller positiver Erwartung durchs Leben zu gehen, ist ein aktiver Schutz gegen schädliche Einflüsse.

So kann der Frühling für jeden etwas Wunderschönes sein. Und in meinem Filmchen könnte man eine Amsel munter zwitschernd zeigen, wie sie auf einem Ast im Sonnenschein wippt, und Menschen aller Altersgruppen, die in einem Park am See den sonnigen Frühlingstag genießen.

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