Ganz schön mutig!

Anlässlich der Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum zwölften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland hat dieser erklärt, dass er seine Amtszeit mit dem Gedanken antreten werde, den Menschen Mut zu machen. Einschneidende Veränderungen in Europa, ein neuer Nationalismus und Populismus, das Auseinanderdriften der Gesellschaft und bisher noch nicht klar erkennbare Herausforderungen für die europäische Union führen ihn dazu, mit Ruhe und natürlich auch mit seiner außenpolitischen Erfahrung, den Menschen Mut zu machen, sich für unsere Werte einzusetzen. Zu diesen Werten zählen gegenseitige Achtung, die Wertschätzung von Andersartigkeit, und natürlich auch die Tatsache, dass es in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg eine lange Phase des Friedens und Wohlstands gegeben hat.

Mut – differenziert betrachtet

Mut ist ja ein schillernder Begriff. Wenn ein rücksichtsloser Autofahrer mit 80 km/h durch einen Ort rast, dann ist der nicht mutig, sondern eine Gefahr für alle anderen. Diese Haltung muss geahndet werden.

Wenn ein Sportler, beispielsweise ein Zehnkämpfer, im Stabhochsprung erfolgreich ist, dann mögen diese Sprünge für den Zuschauer als etwas sehr Mutiges erscheinen. Man kann es sogar bewundern. Für den Sportler selbst wird es eine Freude sein, eine Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu nutzen und unter Umständen die Zuschauer zu begeistern.

Mut machen oder Bedenken äußern

Eine gute Bekannte von mir wollte vor einigen Jahren ein eigenes Geschäft eröffnen und sie berichtete davon im Freundeskreis. Eine Zuhörerin, der man die Skepsis über den möglichen wirtschaftlichen Erfolg schon ins Gesicht geschrieben sah, kommentierte folgendermaßen: „Das ist ja ganz schön mutig.“ Was sie wohl sagen wollte war, dass sie glaubte, dass die Freundin dieser Aufgabe nicht gewachsen ist, dass ihr viele Eigenschaften für eine Geschäftsfrau fehlten und sie schlicht und einfach davon ausging, dass das Projekt zum Scheitern verurteilt war.

Und dann gibt es Menschen, die sich mit dem Mut der Verzweiflung in eine Aufgabe stürzen, ohne genauen Plan, was sie tun werden, und ohne konkrete Erwartung, was wirklich erreicht werden soll.

Es lohnt einmal nachzudenken, welche Art von Mut in unserer Gesellschaft gebraucht wird, und welchen Mut wir als Bewohner dieses Landes brauchen.

Eine Antwort finde ich in einem Buch, das menschliche Verhaltensweisen sehr genau beschreibt und hilft, auf ihren gedanklichen Ursprung zurückzuführen. Das Buch heißt Wissenschaft und Gesundheit und die Autorin ist die Amerikanerin Mary Baker Eddy. Sie hat sich zeit ihres Lebens für das Wohl der Gesellschaft eingesetzt und viele kluge Hinweise gegeben, wie jeder Einzelne für das Wohl der Gemeinschaft beitragen kann.

Moralischer Mut

So schreibt sie: „Es gibt zu viel tierischen Mut und nicht genügend moralischen Mut in der Gesellschaft“. (S. 28) Dieses Zitat weist auf eine entscheidende Grundlage von Mut in: Moral. Eine moralische Grundhaltung, basierend auf der Gleichberechtigung der Menschen, vorurteilsfrei gegenüber Andersdenkenden zu sein und die individuellen Eigenschaften jedes Menschen zu achten, auf dieser Grundlage ist es gut, mutig zu sein.

Der neue Bundespräsident hat davon gesprochen, dass es in seinen Begegnungen mit anderen Staatsoberhäuptern unter Umständen auch Mut erfordert, sich für die Werte unseres Landes einzusetzen. Aber er ist sich der Macht seiner Worte bewusst. Und er wird solchen Gesprächen nicht ausweichen.

An einer anderen Stelle schreibt Mary Baker Eddy:

„Es erfordert Mut die Wahrheit auszusprechen.“ Eddy sieht die Grundlage mutigen menschlichen Verhaltens in einem liebevollen Gott, der den Menschen dazu geschaffen hat, Gutes zu tun. Sie ignoriert dabei weder Eigensinn noch Rücksichtslosigkeit, aber sie weist darauf hin, dass nach ihrem Verständnis die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung stärker ist als menschlicher Wille, der Unheil stiftet. Dies ist übrigens auch kurz in dem Gottesdienst angesprochen worden, zu dem sich die Bundesversammlung am Tag der Wahl des Bundespräsidenten am Morgen in Berlin versammelt hat.

Die wahre Quelle von Mut

Darum sagt sie: „Lasst uns mit dem Gesetz der Liebe wieder Mut fassen. Gott straft den Menschen niemals für Recht tun, für ehrliche Arbeit oder für Taten der Freundlichkeit, auch wenn sie ihn der Ermüdung, der Kälte, Hitze oder Ansteckung aussetzen“.

Zu Mut auf dieser Grundlage kann sich wohl jeder gerne ermutigen lassen. Und ein Neubeginn in einem wichtigen Amt wie bei Steinmeier kann für viele Menschen zum Anlass werden, auch einmal neu über ihre Definition von Mut nachzudenken. Lassen Sie sich dabei nicht entmutigen. Seien Sie getrost mutig

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BobbuBrowneUte KellerChristian A. Harder Recent comment authors
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Hello! Cool post, amazing!!!

Ute Keller
Gast
Ute Keller

Ja, das ist sehr schön, sich ermutigen mutiger zu sein. Das hat wohl auch damit zu tun, sich nicht einschüchtern zu lassen, also mit Mut Furcht begegnen. Vielleicht können wir alle wirklich noch mehr Mut finden neue Anschauungen zu entdecken, Altes loszulassen, zu vergeben, neu zu vertrauen, Mut finden mehr zu lieben, Mut zum Miteinander, Mut auf und weit zu schauen … und Sicherheit in Offenheit und Weite zu entdecken. Ich denke in Europa kann man schon viel Mut konsequent auf das gemeinsame Gute zu vertrauen finden und dass es jetzt so deutlich angesprochen wird, wird uns noch mehr ermutigen… Read more »

Christian A. Harder
Gast
Christian A. Harder

Sehr schön. Da wollen wir alle Mut fassen und erkennen, dass Gott jedem Menschen sowohl die Fähigkeit als auch den Mut gegeben hat, Recht zu tun. Wenn wir das erkennen, so wird es allen – auch denen, wo es gar nicht danach aussieht – leichter fallen, entsprechend zu handeln.