Gebete für Germanwings-Opfer

Der Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen hat wie kaum ein anderes Unglück mit vielen deutschen Opfern Entsetzen, Sprachlosigkeit und Trauer ausgelöst. Die ehrlichen Reaktionen vieler Menschen erinnern an das tragische ICE-Unglück in Eschede im Juni 1998 oder an den Absturz der Air-France-Concorde in Paris im Juli 2000.

Sprachlosigkeit und Trauer

In diesen und ähnlichen Fällen liegen Entsetzen und Sprachlosigkeit und Trauer eng beieinander. Entsetzen, weil diese Unglücke so unvermittelt geschehen, ohne jede Vorwarnung und viele Menschen aus ihrem gewohnten Alltag herausreißen. Trauer, tiefe schier unfassbare Trauer, denn zu jedem Oper gehören zahllose Verwandte, Freunde, Kollegen, Nachbarn, die häufig erst nach Tagen oder Wochen die eingetretenen Veränderungen realisieren. Ja, und Sprachlosigkeit, weil es eben (hier darf man sagen, zum Glück) nicht zu den geübten Kommunikationsroutinen gehört, Trost zu spenden, Betroffenheit, Leid und Nähe angemessen mit anderen zu teilen.

Die Macht des Gebets nicht unterschätzen

Darum ist es gut, dass öffentliche Personen, Politiker, auch Sportler, Vertreter der Luftfahrt und einfühlsame Mitbürger sich oftmals nur kurz äußern, aber häufig mit dem Hinweis, wie wichtig in diesen Tagen Gebet ist.

Warum Gebet? Weil es jenseits aller Glaubensrichtungen das Signal ist, dass man sich einer höheren Macht zuwendet, dass man sich auch der Unzulänglichkeit der eigenen Worte und Handlungsmöglichkeiten bewusst ist und unter dem Kürzel „Gebet“ zu verstehen gibt, dass man berührt, erschüttert, betroffen und im Herzen zutiefst bewegt ist.

Mitgefühl und Anteilnahme

Am Tag nach dem Absturz zeigte das Fernsehen drei Menschen, eine Frau, zwei Männer auf einer Wiesenfläche in den französischen Alpen nahe der Absturzstelle. Sie sprachen, ganz offensichtlich, den Rettungskräften ihren Dank aus, vielleicht auch den Wunsch, diese Helfer mögen die Kraft und Ausdauer haben, die weit verstreuten Wrackteile und Menschen bergen zu können.

Diese drei Mensch zeigten – auch ohne ihre Worte hören zu können – ein Mitgefühl, wie es in seiner Schlichtheit angemessen war. Diese drei waren die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, der französische Staatspräsident Hollande und der spanische Premierminister Rajoy. Diese drei repräsentieren zusammen 194 Millionen Einwohner – und oftmals werden diese Zahlen bei Staatsbesuchen eindrucksvoll durch Paraden, Flaggen, Staatkarossen zur Schau gestellt.

Am Mittwoch, auf dieser März-kahlen Wiese in den französischen Alpen, waren es einfach drei mitfühlende, betroffene Mitmenschen. Welch verheißungsvolles Bild. Vielleicht gelingt es, dieses Mitgefühl über die ersten Tage des Schocks zu bewahren. Plötzlich sind Griechenland, Euro-Krise, TTIP-Verhandlungen über das Freihandelsabkommen oder die Maut weit entfernt. Gewiss, sie werden ihren Platz wieder finden, aber vielleicht doch in einem anderen Geist.

Prioritäten setzen, Nähe herstellen

Die Gebete, zu denen sich in diesen Tagen viele Menschen bekennen, werden die Angehörigen trösten. Eine Schülerin aus der Schule in Haltern, wo 16 Schülerinnen, Schüler und zwei Lehrerinnen unter den Opfern sind, sagte im Fernsehen: „Gestern noch waren wir viele, heute bin ich allein.“

Ja, und nein. Auch Gebet kann eine Verbundenheit schaffen, die mehr transportiert, als es bloße Worte können. Auch mein Mitgefühl – und meine Gebete – gelten den Angehörigen und Freunden der Opfer. Und auch ein Dank an die vielen freiwilligen Helfer, die sofort aus ihren nahe gelegenen Orten zur Unfallstelle geeilt sind. Man kann einen Beitrag leisten, wenn man erkennt, wie wertvoll jedes einzelne Leben ist – und wie unwichtig manche Debatten über so manche Themen sind, in der Familie, in der Firma, in der Politik. Das Gebet, von Mitgefühl und Nächstenliebe geprägt, wird die empfänglichen Herzen der Menschen erreichen.

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